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Bühne | 1960
Die Dreigroschenoper



Premiere:24.09.1960
Theatertext: Bertolt Brecht 1
Inszenierung: Walter Oehmichen
Puppenbau: Hannelore Marschall-Oehmichen
Kostüme: Rose Oehmichen
Bühnenbild: Ernst Ammann
Musik: Kurt Weill
Musikal. Einrichtung: Hermann Kropatschek
Musikal. Leitung: Hermann Kropatschek
Musiker: Hermann Kropatschek (Elektronische Orgel)
Klaus Pawassar (Klavier)
Carl Ehrensberger (Klarinette, Gitarre, Saxophon)
Josef Ebert (Kontrabass)
Matthias Hungbauer (Schlagzeug)
Inhaltsangabe:
Im Mittelpunkt der Dreigroschenoper steht der Londoner Straßenräuber und Geschäftsmann Macheath, genannt »Mackie Messer«. Sein Gegenspieler ist der Besitzer der Firma »Bettlers Freund«, Jonathan Jeremiah Peachum, der »Bettlerkönig«. Er beherrscht und kontrolliert die Ärmsten der Armen Londons und macht sie zu professionellen Bettlern mit gezieltem »Outfit«, »weil einem niemand sein eigenes Elend glaubt«.
Macheath findet ausgerechnet an seiner Tochter Polly Gefallen, so dass Peachum seine Existenz bedroht sieht und den obersten Polizeichef Brown dazu zwingt, Macheath zu verhaften und an den Galgen zu bringen. Zwingen! Ja, denn eigentlich arbeitet Mackie Hand in Hand mit dem Polizeichef, einem ehemaligen Kriegskumpan, mit dem ihn bis heute eine innige Freundschaft verbindet und den er einfach bei seinem Spitznamen Tiger Brown oder auch Jackie nennt. Geschützt durch die Loyalität seines Freundes versuchte Mac bislang auf seine Weise (»Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!«) London zu beherrschen, doch diesmal hat der Hüter des Gesetzes keine Wahl. Macheath wird zwar von ihm gewarnt, kann jedoch nicht entkommen, und es sieht ganz so aus, als ginge Peachums Plan auf und Mackie Messer zum Galgen …

Informationen:
Die Dreigroschenoper der Augsburger Puppenkiste ist ein Spiel in einem Vorspiel, zehn Szenen, acht Zwischenspielen und einem Nachspiel. Walter Oehmichen hielt sich bei seiner Umsetzung weitestgehend an die Vorlage Brechts – er strich lediglich zwei Lieder (Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit + Das Eifersuchtsduet) komplett, kürzte andere und ließ einige Textpassagen aus. Zudem zog er den Salomon-Song vor, da die Möblierung des Pferdestalles im Gegensatz zum Menschentheater auf der Marionettenbühne nicht im Verlauf der Szene durchgeführt werden konnte.
Auch zwei Figuren fielen dem Rotstift zum Opfer. Die Textpassagen des Jimmy und des Ede wurden in der Figur des Jimmy vereint. Das selbe geschah mit den Texten des Walter und des Robert. Hierbei unterlief Walter Oehmichen allerdings ein Fehler bei der Erstellung des Programmheftes. Im Stück wird die von Martin Borns gesprochene Figur zwar als Robert angesprochen, im Programmheft allerdings als Walter geführt.
Eine weitere große Abweichung von der Vorlage Brechts/Weills stellt auch die Form der Songeinlagen dar. Sämtliche Titel wurden live von Walter Oehmichen und Isolde Jeller vorgetragen. Obwohl das Tonband zu dem Stück bis heute erhalten ist, existiert daher von den Liedtexten keine Aufnahme. Da die beiden »Moritatensänger« mit einer Drehorgel neben dem Bühnenausschnitt standen, verließen die Figuren, die die Songs ursprünglich hätten singen sollen, während vereinzelter Zwischenspiele zudem die Bühne und standen auf der Drehorgel.
Diese Veränderung ist auch der Grund dafür, dass die Verhandlungen mit Lotte Lenja, der Witwe des 1950 verstorbenen Komponisten Kurt Weill, zwei Jahre (1958–1960) dauerten.
Die erste Aufführung war schließlich für den 30. April 1960 um 20:00 Uhr vorgesehen, musste jedoch aufgeschoben werden. Erst am 24. September des gleichen Jahres fand sie dann tatsächlich statt.

Bühnenbild und Szenenfolge:
Vorspiel »Die Moritat von Mackie Messer« (nur 7 Strophen)
1.Akt, 1.Szene: Jonathan Jeremiah Peachums Bettlergarderoben
-----beinhaltend:
---------------------»Der Morgenchoral des Peachum«
Zwischenspiel »Der Anstatt-dass-Song«
1.Akt, 2.Szene: Leerer Pferdestall
Zwischenspiel »Salomon-Song« (nur 3 Strophen)
1.Akt, 3.Szene: Möblierter Pferdestall
-----beinhaltend:
---------------------»Das Hochzeitslied für ärmere Leute«
---------------------»Die Seeräuber-Jenny«
---------------------»Der Kanonen-Song«
---------------------»Liebeslied«
Zwischenspiel »Da gibt's überhaupt nur: Nein«
1.Akt, 4.Szene: Peachums Bettlergarderoben
Zwischenspiel »Erstes Dreigroschenfinale: Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse«
2.Akt, 1.Szene: Möblierter Pferdestall
-----beinhaltend:
---------------------»Hübsch als es währte«
2.Akt, 2.Szene: Hurenhaus in Turnbridge
-----beinhaltend:
---------------------»Die Zuhälterballade« (nur 1 Strophe)
Zwischenspiel »Die Ballade vom angenehmen Leben« (nur 2 Strophen)
2.Akt, 3.Szene: Gefängnis in Old Bailey, ein Käfig
Zwischenspiel »Zweites Dreigroschenfinale: Denn wovon lebt der Mensch«
Pause
Zwischenspiel »Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens« (Strophe 1-3)
3.Akt, 1.Szene: Peachums Bettlergarderoben
Zwischenspiel »Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens« (Strophe 4)
3.Akt, 2.Szene: Ein Mädchenzimmer in Old Bailey
3.Akt, 3.Szene: Todeszelle und Gang zum Galgen
-----beinhaltend:
---------------------»Ballade, in der Macheath jedermann Abbitte leistet« (nur 1 Strophe)
---------------------»Schlusschoral« (nur 1 Strophe)
Nachspiel »Drittes Dreigroschenfinale: Und die einen sind im Dunkel«
Figuren und Sprecher:
Der Bänkelsänger (Schauspieler)
Walter Oehmichen
Die Bänkelsängerin (Schauspielerin)
Isolde Jeller
Macheath, genannt »Mackie Messer«
Manfred Jenning
Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma »Bettlers Freund«
Walter Oehmichen
Celia Peachum, seine Frau
Rose Oehmichen
Polly Peachum, seine Tochter
Helen von Münchhofen
Brown, oberster Polizeichef von London
Walter Schellemann
Lucy, sein Tochter
Margot Schellemann
Die Spelunken-Jenny
Barbara Gerlicher
Smith, ein Konstabler
Klaus M. Barner
Filch
Max Bößl
Matthias, genannt Münz-Matthias
Hannes Kätner
Jakob, genannt Hakenfinger-Jakob
Günter Knecht
Robert, genannt Säge-Robert2
Martin Borns
Jimmy II
Walter Oehmichen
Alte Hure, Dolly
Elly Pöhner
Junge Hure, Molly
Rosemarie Niebler
Hure, Betty
Margot Schellemann
weiterer Konstabler
Walter Schellemann
Pastor Kimball
Martin Borns
Produktionsdaten:
29.08.1960, 17:00 Uhr: Leseprobe
01.09.1960, 17:00 Uhr: Bandaufnahme
02.09.1960, 17:00 Uhr: Bandaufnahme
14.09.1960, 15:00 Uhr: Probe
19.09.1960, 09:30–15:00 Uhr: Probe
20.09.1960, 09:30 Uhr: Probe
21.09.1960, 09:30–15:00 Uhr: Probe
22.09.1960, 09:30–15:00 Uhr: Probe
23.09.1960, 09:30 Uhr: Probe
24.09.1960, 09:30–14:30 Uhr: Generalprobe
30.05.1961, 09:30 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
19.11.1963, 16:00–19:40 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
21.11.1963, 15:00 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
22.11.1963, 15:00 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
14.12.1964, 09:30–11:30 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme
31.08.1964, 18:00–20:00 Uhr: Probe vor Wiederaufnahme

Bezüge zu anderen Produktionen:

Allgemeiner/ Informativer Bezug zu einer Fernsehproduktion
A) 1960: Münchener Abendschau – Marionettentheater Augsburg Dreigroschenoper
zeigt einen Ausschnitt aus dem Stück.
Archivmaterial:

Druckmedien (11)
  • 1)   Bilder-/Sachbuch | Marschall, Hanns-Joachim (Hrsg.); Schweinberger, Willy (Hrsg.): Stars an Fäden. Das große Farbbuch über die weltberühmte Augsburger Puppenkiste. Augsburg: AWO-Werbung GmbH, 1985
  • 2)   Bilder-/Sachbuch | Augsburger Puppenkiste (Hrsg.); Geis, Christa Brigitte: 40 Jahre Augsburger Puppenkiste – Das Farbjournal zum Jubiläum. Ein herrliches Dokument über Augsburgs populärste Institution. Augsburg: Vindelica-Verlag, 1988
  • 3)   Bilder-/Sachbuch | Becker, Christa (Hrsg.); Geissler, Claus-Dieter (Hrsg.); Marschall, Klaus (Hrsg.); Missmahl, Steffen (Hrsg.); Scheerbaum, Peter (Hrsg.): 50 Jahre Augsburger Puppenkiste. Berlin: Rütten & Loening, 1997
  • 4)   Programmheft/ Programmzettel | Die Dreigroschenoper. Städtische Bühnen Augsburg. Marionettentheater am Roten Tor. 1960
  • 5)   Zeitungsartikel | Kramberg, K. H.: Marionettentheater: Die Dreigroschenoper. In: Süddeutsche Zeitung, vom 1. Oktober 1960
  • 6)   Zeitungsartikel | Puppe Jenny sieht Lotte Lenya ähnlich. Bert Brechts Dreigroschenoper im Marionettentheater – Premiere am Samstag. In: Augsburger Allgemeine, vom 23. September 1960
  • 7)   Zeitungsartikel | Hepp, Dr. Fred: Die Dreigroschenoper an Fäden. In: Augsburger Allgemeine, vom 26. September 1960
  • 8)   Zeitungsartikel | Menthen, Günther: »Dreigroschenoper« als Puppenspiel. In: Kölnische Rundschau, vom 28. September 1960
  • 9)   Zeitungsartikel | Carwin, Susanne: B. B. – ein Sohn Augsburgs. In: Deutsche Zeitung, Nr. 227 vom 29. September 1960, S. 12
  • 10)   Zeitungsartikel | Menthen, Günther: »Dreigroschenoper« als Puppenspiel. In: Frankfurter Rundschau, vom 30. September 1960
  • 11)   Zeitungsartikel | Die Dreigroschenoper als Marionettentheater. In: Schwäbische Post, vom 21. Januar 1961
  • Sonstiges (1)
  • 1)   Spielzeug & Hobby | Ersttagskarte Sonderstempel »50 Jahre Augsburger Puppenkiste«. Deutsche Post AG, 1998

  •    1 frei nach John Gays The Beggar's Opera unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
       2 im Programmheft »Walter« genannt
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